10 Fragen…die ihr schon immer einem Zero Waste Blogger stellen wolltet.

Mhhh, ich weiß gar nicht, ob das denn auf alle zutrifft, aber ich bin von Andrea Randall (near-o-waste) aus unserem Zero Waste Bloggers Network nominiert worden und natürlich hab ich Bock, diese Fragen zu beantworten! Danke für die Einladung!

WIE/WARUM HAST DU DEIN LEBEN AUF ZERO WASTE UMGESTELLT?

In der Türkei und in Indien sah ich auf unserer Reise, wie die Menschen allen Müll einfach fallen ließen oder in den nächsten Fluss schmissen. Die Umweltauswirkungen, besonders in Indien, sind katastrophal. Ich konnte es kaum ertragen und fühlte mich irgendwie so machtlos. Und ich realisierte, dass wir hier in Europa viel viel viel mehr Müll produzieren, nur wird er hier fein säuberlich und regelmäßig entsorgt -> aus den Augen, aus dem Sinn. Bei mir war das vorbei, ich begann zu recherchieren und sah die riesige Ressourcenverschwendung, Umweltverschmutzung und Verpackungsschadstoffe, die wir in unserem Leben einfach akzeptieren, ohne dass sie uns wirklich bewusst sind. Ich hatte darauf keine Lust mehr und allein schon die Hässlichkeit unserer Verbrauchsgegenstände nervte mich einfach. Anderen ging es auch so – danke WWW – , ich suchte mir meine Tipps raus und kämpfte mich mehr und mehr durch. Zum Glück, wenn auch erstmal mit Skepsis, war mein Freund und mittlerweile Mann auch mit am Start!

SEIT WANN VERSUCHST DU, ZERO WASTE UMZUSETZEN?

Richtig gepackt hat es mich, als sich 2013 unser Sohn Hugo ankündigte. Die Versuche davor kann ich rückblickend als merkwürdig und wenig effektiv betrachten, aber damals war Zero Waste auch einfach noch nicht so existent und ich hatte noch keine Ahnung, wie ich es bei uns und in meinem Leben am Besten umsetzen kann. Try and Error. Der Blick auf die Zukunft unseres Kindes und die Feststellung, dass mit der Ankündigung von Nachwuchs irgendwie alle ausflippen, einkaufen und mit Feuchttüchern um sich schmeißen… Irgendwas ist da doch einfach gehörig aus dem Ruder gelaufen und das ganze Kinderzeug einfach in Bio zu kaufen, reichte mir hinten und vorne nicht. Hugo war also sozusagen der Ar***-tritt, der mir noch fehlte, um das Ganze auch wirklich so durchzuziehen, entgegen der anfangs zweifelnden und verwunderten Reaktionen. Er hat mir Mut gemacht und gleichzeitig auch ein solches Chaos in unserem Leben ausgelöst, dass ich ebenfalls das große Bedürfnis hatte, uns von allem Unnützen frei zu machen. Und so ist es ein fortlaufender, aber meistens erfolgreicher Prozess.

WAS SIND DEINE BESTEN TRICKS, UM AUF ZERO WASTE UMZUSTELLEN?

Einkauf01Sich ein Sortiment an Beuteln, Gemüsenetzen, Behältern zulegen, Menü- und Einkaufsliste schreiben und einen festen Tag in der Woche zum Einkaufen einplanen. Am Besten auf dem Wochenmarkt. Das spart Zeit, Geld und unnötige Verpackung.

Immer einen Beutel für Spontaneinkäufe dabei haben. Keine Aubergine übrigens braucht eine höchsteigene Tüte, wenn sie mit der Paprika aus der Tüte nebenan später eh in einem Topf landet.

Keine Fertigprodukte mehr kaufen, lieber Selbermachen oder Essengehen.ToGo01

Gute Qualität kaufen. Und die am Besten gebraucht auf Trödelmärkten, Sozialkaufhäusern, Kleinanzeigen. Schnäppchen- und Jagdtrieb werden auch so bestens befriedigt und wenn die Dinge schon bei Anderen in Gebrauch waren, kann man sich bei Vielem sicher sein, dass es nicht sofort kaputt geht. Das ist bei neuen Produkten, auch hochpreisigen, leider oft nicht der Fall.

Alle Dinge, die man längere Zeit nicht benutzt hat, aussortieren, verschenken, verkaufen und für Sachen, die neu ins Haus kommen, etwas Anderes gehen lassen.

Ersetzt Einweg durch Mehrweg. Stoffservietten, Windeln, Taschentücher, Strohhalme. Und um herauszufinden, was ihr denn überhaupt wirklich ersetzen müsst – Stichwort: Frischhaltefolie und Küchenrolle – kauft es einfach mal nicht nach, wenn es leer ist und ihr werdet feststellen, dass man Vieles einfach nur aus Gewohnheit nutzt und nachkauft.

WO HABT IHR SO VIEL ZEIT HER, DIESE GANZEN SACHEN ZU MACHEN?

Vieles, wie z.B. die Einkaufsroutine, ist reine Gewöhnung und spart eher Zeit als dass sie welche kostet. Kochen ist bei uns schon immer mehr Leidenschaft und Hobby gewesen als Notwendigkeit und wenn man sich ein paar gute und simple Lieblingsrezepte für morgens, mittags, abends und zum Naschen raussucht, die man gerne und schnell zubereitet hat, dann ist auch hier die Zeit nicht das Problem. Ich koche oft auch vor, friere ein und wenn wir doch mal Takeaway holen, dann mit unserem Campinggeschirr, das ist leicht, man kann es gut mitnehmen und vor allem bekommen wir IMMER eine größere Portion eingepackt als alle anderen ;)

WIEVIEL MÜLL HAT EURE FAMILIE NOCH PRO WOCHE?

Derzeit sind es sieben Nachtwindeln für Hugo und jeweils eine kleine Handvoll Rest- und Plastikmüll, hauptsächlich sind das Altlasten. Papier von unserer Arbeit und Biomüll fällt natürlich auch an. Beides tolles Recycling- bzw. Kompostmaterial und deshalb für mich nicht ausschließlich „Müll“. Letzteres übrigens, da unser Vermieter sich leider mit der Biotonne querstellt und wir (noch) keinen Kompost aufstellen können, bringen wir zurzeit bei einer Bekannten vorbei und dürfen es dort netterweise in die Tonne geben. Als ich die gefragt habe, hielt mich mein Mann mal wieder für verrückt, aber ich glaube, er hat eigentlich Respekt davor, dass ich mich getraut habe ;)

ES SOLL JA GANZ SCHÖN TEUER SEIN, ALLES SELBST ZU KOCHEN. SEID IHR REICH?

Nein. Wir sind auch nicht arm. Aber viele unserer Freunde sind erstaunt, dass wir mit dem, was wir verdienen, so einen Lebensstandard haben können. Als Selbstständige wissen wir außerdem nie genau, wieviel in den nächsten Monaten reinkommt und gerade deshalb ist ein Zero Waste Leben für uns so toll. Wir verzichten auf nichts, denn wir haben uns für unsere Prioritäten bewusst entschieden. Wir geben zwar deutlich mehr Geld für Lebensmittel aus als die meisten Anderen, dafür kaufen wir nichts „für die Tonne“ oder noch zig kleine Snacks, die uns im Supermarkt ins Auge springen. Weil wir kaum im Supermarkt unterwegs sind.VintageDekoCollage01

Auch durch Second Hand Einkäufe, Foodsharing und eine regelmäßig aktualisierte Wunschliste geben wir weniger Geld aus als früher, obwohl wir uns gute Qualität leisten. Die Wunschliste ist toll, weil man etwas eben nicht sofort kauft und so nach ein paar Tagen/ Wochen/ Monaten überprüfen kann, ob man es denn immer noch braucht. Vieles erledigt sich nämlich von selbst. Und wenn nicht, hat man vielleicht in der Zwischenzeit auch schon jemanden gefunden, der das Gewünschte selbst loswerden will. Zuletzt kann man es ja immer noch kaufen oder sich schenken lassen.

WAS WAR AM SCHWERSTEN AUFZUGEBEN?

Schokolade. Und deshalb kaufe ich sie auch weiterhin, wenn auch nicht mehr so oft. Aber mal ehrlich: Ohne Schokolade… Nein, das geht wirklich nicht klar!! Und Chips! Die haben leider im Backofen noch nicht so richtig gut funktioniert. Aber da bin ich dran!

WELCHE KOMPROMISSE MUSSTEST DU BISHER EINGEHEN, DIE NICHT ZERO WASTE SIND?

Hugos Nachtwindeln. Da er mittlerweile nachts nicht mehr gewickelt werden muss, möchte ich ihn gleichzeitig nicht so lange „im Feuchten“ liegen lassen. Und da wir derzeit eigentlich eh 2-3 Stoffwindeln zu wenig haben, geht es so dann besser auf.

WELCHE ZERO WASTE BLOGS MAGST DU AM LIEBSTEN?

www.paris-to-go.com

www.zerowastehome.de

www.emmajohn.nl

GANZ SPONTAN: EIN LUSTIGER FACT ÜBER DICH?

Als ich letzten Sommer unseren Balkon schick machen wollte, hatten wir unser Transportfahrrad noch nicht. Also bin ich mit der Bahn durch halb Köln gekurvt, durch eine total spießbürgerliche Wohngegend mit Baby im Kinderwagen zu einer Dame gelaufen und habe mir dort im Garten einen großen Haufen Blumen ausgegraben, um sie unverpackt mitzunehmen. Es waren eigentlich viel zu viele und Hugo war am Ende in seinem Wagen kaum noch auszumachen, weil aus allen Ecken, Körben, Netzen Blumen und Grünzeug wucherten. Und so sind wir dann fast eine Stunde und mit mehrmaligem Umsteigen wieder nach Hause. Aber weil Hugo sich zuhause erstmal ausruhen musste von dem Stress, konnte ich direkt alles einpflanzen und der Balkon sah endlich nach was aus!!

Balkonbueht01

 

Und auch wenn ihr bisher nicht den Wunsch hattet, diese Fragen einem Zero Waste Blogger zu stellen, hoffe ich, euch ein bisschen was beantwortet zu haben!

7 thoughts on “10 Fragen…die ihr schon immer einem Zero Waste Blogger stellen wolltet.

  1. Liebe Verena,
    das waren spannende Fragen und Antworten, Danke dafür!
    Ich befinde mich noch ganz am Anfang eines (geplanten!) Zero-Waste-Lebens, und da sind Deine ganzen Tipps und Erfahrungen Gold wert!
    Liebe Grüße, auch aus Köln,
    Dominique

    1. Danke, Dominique!

      Wenn du aus Köln bist, solltest du uns beim nächsten Zero Waste Treff besuchen. Der findet diesmal – bei gutem Wetter – auf der Straße statt. 31. Mai zum „Tag des guten Lebens“ in Sülz. Ich würde mich freuen!

  2. Hallo. Danke für die interessanten. Einblicke! So ein Baby ist doch. Ein ganz schön einschneidender Moment. Hier war es ähnlich- wir haben zwar scho. Immer drauf geachtet, aber ohne die Zwergin wären wir nie so müllfrei, wie wir es jetzt sind :-)
    Viele Grüße von der Zwergenmama

  3. Liebe Vreni,
    danke für Deinen tollen Blog, viele Dinge mache ich schon, aber aus Zeitmangel eben noch nicht konsequent genug, ich arbeite daran. „ES SOLL JA GANZ SCHÖN TEUER SEIN, ALLES SELBST ZU KOCHEN. SEID IHR REICH?“ Diese Frage ist doch wohl nicht ernst gemeint? Genau das Gegenteil ist der Fall, ich habe das sogar mal nachgerechnet, allerdings ohne meine „Lohnkosten“ bzw. die Zeit, die ich zum Kochen brauche.
    Weiter so!
    Herzliche Grüße aus Saarbrücken
    Susanne

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