Zero Waste ist Kinderkram!

Seit ich 2012 mein und damit unser Familienleben auf „Zero Waste“ umgestellt habe, werde ich immer wieder gefragt, ob es denn nicht schwierig ist, auf so Vieles zu verzichten, vor allem wegen der Kinder. Aber eigentlich finde ich, wir verzichten nicht. Eher ist es so, dass wir viel mehr genießen. Besser essen, besser leben. Wir verzichten nur auf das, was wir nicht brauchen, was uns nicht gut tut. Und mit Zero Waste passiert das ganz automatisch, weil man nicht mehr unreflektiert Dinge anhäuft. Höchstens vielleicht gepopptes Amaranth, aber das ist eine andere Geschichte… Man sollte sich immer fragen, ob etwas die Qualität hat, an der man lange Freude haben kann. Und das gilt vor allem auch für Kinderkram.

Als Mutter von zwei kleinen Jungs stelle ich immer wieder fest, dass andere Familien durchaus mal in Frage stellen, ob ich meinen Kindern dadurch nicht etwas verwehre. Üblich ist, wenn ein Kind z.B. bei Bekannten super gerne auf dem Trampolin hüpft, mit der Spielküche spielt, mit der Rutsche ins Planschbecken rutscht oder eine Lieder-CD begeistert mitsingt, sich das auch direkt für zuhause anzuschaffen. Für uns bedeutet diese Begeisterung vor allem, dass wir uns öfter mal bei diesen Freunden treffen. Ich weiß nicht, ob ich das wirklich schreiben muss, aber das machen wir nicht, weil wir unsere Freunde ausnutzen, sondern weil wir ganz zero-waste-mäßig nur mit Menschen befreundet sind, die wir lieben und schätzen. Perfekt, wenn sich dann noch die Kinder dort wohlfühlen!

Von Anfang an war unser Kinderequipment also relativ überschaubar.

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Auch in der Küche z.B. keine extra Spielküche, sondern ein großes Fach im Schrank, dass für unsere Jungs ein paar Töpfe – gleichzeitig das familiäre Campingequipment – und andere Utensilien bereithält. Spielzeug-Lebensmittel = Bauklötze als Eier, Filzreste als Nudeln, Korken als Pilze. Der vermeintliche Verzicht gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Fantasie anzuregen. Letztendlich helfen sie uns auch am Liebsten beim richtigen Auswählen, Schnippeln, Kochen, Probieren.

kuechenhilfe

Eine rundum kindersichere Wohnung und die damit verbundenen Herdschutzgitter, Schrank- und Schubladensicherungen haben wir uns ehrlich gesagt auch gespart. Stattdessen haben wir Hugo, der im Dezember 3 wird, früh mit den Gefahrenquellen vertraut gemacht. Kasimir, 1 Jahr, zeigen wir nun auch, wie heiß Backofen oder Topf werden kann, wie scharf ein Messer ist. Hugo kann mit einem kleinen scharfen Messer Käse und Gemüse schneiden. Natürlich nicht ohne Aufsicht, aber dadurch, dass wir es ihm nie grundsätzlich verboten, sondern mit ihm gemeinsam geübt haben, wird er nicht so sehr von Neugier überwältigt, dass er alleine an die Messerschublade geht. Gleiches mit dem Maschinenspülmittel. So lange es für ihn interessant war, durfte er es immer selbst in die Maschine füllen. Vor allem aber ist unsere Wohnung so klein, dass wir die Kids an den Gefahrenquellen gut im Blick haben können, ohne dass sie unter Dauerbeobachtung sein müssen. Fahrlässigkeit hat natürlich nichts mit unserer Lifestyle-Idee zu tun! Aber selbst der furchtlose Kasimir kapiert in seinem Alter schon, dass er den Kamin zwar gründlich untersuchen darf, wenn er aus ist, aber bei Hitze besser einen großen Bogen drum macht.

Platz ist selbst in der kleinsten Hütte.

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Nachdem ich regelmäßig prüfe, was noch dem Entwicklungsstand der Jungs entspricht oder schon aussortiert werden kann, habe ich kürzlich das Kinderzimmer von fast allem Spielzeug befreit. Hugo ist wahnsinnig schlecht im Aufräumen, da schaut er einfach lieber zu, und nachdem es in letzter Zeit immer häufiger vorkam, dass er mit Freunden oder seinem Bruder Kasimir alles aus den Regalen geräumt, im Zimmer verteilt und sich dann im Flur breitgemacht hat, mit den Worten: „Im Kinderzimmer hab ich keinen Platz!“, hatte ich die Schnauze voll – ich bin nämlich auch schlecht im Ordnung halten und es reicht mir, den Rest der Wohnung wieder ins Lot zu bringen am Ende des Tages. Nun also lagert fast das gesamte Spielzeug bei uns im Schlafzimmerschrank. Und was soll ich sagen: Bisher hat Hugo in 2 Wochen genau EINMAL etwas nachgefragt, was wir dann hervorgeholt und danach wieder zurückgeräumt haben. Die Jungs bauen Höhlen, Hindernisparcours, spielen mit ihren Teddies „Baby und Eltern“, schauen sich Bücher an, machen Musik oder malen. Man merkt, was seinen Kindern wirklich wichtig ist und ständig verfügbar sein sollte. 

Es tut ihnen gut, nach dem Overload da draußen in der Großstadt zuhause etwas durchzuatmen und runterzukommen. Und wir sind nicht noch 2 Stunden mit Chaosbeseitigung beschäftigt, wenn die kleinen Wilden einen auf schlafende Engel machen.

xylophon

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2 thoughts on “Zero Waste ist Kinderkram!

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen: Kinder brauchen Raum und Menschen, die ihnen Sicherheit vermitteln, mehr nicht. Ich habe so viele Kinder in der Therapie, die gar nicht spielen können, obwohl sie doch alle Spielsachen dieser Welt haben. Sie haben nur keinen, der mit ihnen spielt und ihnen zutraut, mit viel Fantasie und Ruhe sich vertiefen zu können. Oft haben sie auch keine Zeit, so wie ihre Eltern. Spielen ist der Motor der kindlichen Entwicklung, vom Konkreten kommen wir zum Abstrakten und Selbermachen ist das Wichtigste, was Kinder erfahren können. Und diese Erfahrungen kann ich auch mit einem Stück Zeitung machen. Liebe Eltern: Mehr Mut zu weniger Kram und zu mehr Zeit!

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