DIY – Vogelfutterhängerle. Mal langsam und mal schnell.

Gestern war in unserem Waldorfkindergarten der erste Gartenkreis des Jahres. Solange es nicht in Strömen regnet, treffen wir uns dort einmal die Woche mit unseren Kindern im Garten der Kita und erhalten dieses kleine Paradies. Ich liebe diesen Ort. Wenn ich an die letzte Kita meines Sohnes Hugo zurückdenke… ein kahler Hof, zur Hälfte gepflastert, zur Hälfte mit Sand gefüllt, drumherum  3 Meter hohe Mauern (in den städtischen Kölner Kitas hatte man immer latente Angst, es könnten Pädophile über den Zaun gucken… Ich mache keine Witze!), alles in einer Palette aus Beigetönen. Der Wiesbadener Waldorfkindergarten heißt „Sonnenhang“ und tatsächlich ist es dort oben immer ein paar Grad wärmer als bei uns zuhause. Der Garten bietet viele Verstecke für die Kinder, tausend Spielmöglichkeiten und es ist wunderbar zu sehen, dass sie in einer solchen Umgebung nur wenig Extraspielzeug brauchen. Aber natürlich wird dieser Garten nicht von selbst so, denn, wie das in den Waldorfkindergärten eben so ist: Auch dort kommt in der Regel kein Gärtner vorbei, es steht und fällt mit dem Engagement der Eltern, was hier auch eingefordert wird. Es gibt noch viele andere „Elternmitwirkungskreise“ im „Waldi“, doch wir haben uns bewusst für den Gartenkreis entschieden, weil wir dort jede Woche einen schönen Nachmittag draußen an der frischen Luft verbringen, zusammen mit unseren Kindern und Freunden und dabei etwas Gutes für die Kita tun. Weil der Garten so reichhaltig ist, können wir für viele Aktionen gerade das Material verwenden, was vor Ort vorhanden ist. Beeteinfassungen und Höhen machen wir aus Weidenzweigen und weil der Erdboden teilweise aus Lehm besteht, können wir auch diesen zum Bauen verwenden. Gestern haben wir aber nichts für die Kinder gemacht, sondern für die Vögel, die auch dort im Garten leben. Wir haben Vogelfutterhängerle oder auch Meisenknödel gebastelt.

Es ist super einfach und man kann nahezu alles aus der Küche verwenden.  Bitte beachtet, dass ihr natürlich auf Kunststoffnetze für die Hängerle verzichten solltet, nicht nur aus „zero waste“ Gründen. Es kommt immer mal wieder vor, dass sich kleine Vögel mit ihren Krallen darin verfangen.

Zutaten für’s Vogelfutter:

  • verschiedene Körner und Getreide. Die Mischung sollte größere Stücke und kleine Stücke beinhalten, damit es später gut zusammenhält. Zum Beispiel Hirse, Amaranth, Getreide wie Hafer, Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel, als Flocken. Getreidekörner nur ein paar, keine Roggenkörner, Mohn,   etwas Leinsamen
  • gehackte Nüsse, z.B. Erdnüsse, Walnüsse, Haselnüsse, weder geröstet noch gesalzen
  • Trockenobst, z.B. Rosinen, Aprikosen, Äpfel
  • Sonnenblumenkerne mit und ohne Schale
  • Reste: Wir sammeln immer die Körnerreste vom Brot und verwenden sie dann z.B. für’s Vogelfutter
  • Naturbelassenes Fett zum Zusammenhalten. Rinder- oder Hammeltalg, ein Abfallprodukt, das man  beim Schlachter bekommt. Vegane Alternative: Kokosfett/-öl, erhältlich im Supermarkt, im Biosupermarkt mittlerweile in sehr großen Gläsern. Teurer, aber evtl. etwas leichter zu bekommen. Die meisten Vögel, die man mit den Futterhängerln anlockt, sind jedoch Fleisch- sowie Körnerfresser. Zudem muss Rindertalg nicht von weit her importiert werden, sondern ist quasi vor Ort verfügbar und wie gesagt, ein Abfallprodukt in der Fleischproduktion. Im Idealfall versucht ihr, eine kleinere Bioschlachterei ausfindig zu machen, hier sind zumindest die Bedingungen „bestmöglich“, aus denen das Produkt hervorgeht.

Was darf NICHT rein:

  • Brotreste, diese quellen im Magen der Vögel auf
  • Gesalzene, gewürzte Speisereste
  • Schweinetalg, das ist zu salzig
  • Ranzige oder verdorbene Lebensmittel. Bitte immer nur gute Qualität verwenden, die Vögel können sonst krank werden und sogar sterben.

Utensilien:

  • Zapfen von der Kiefer oder Pinie (sie sind stabil und weit geöffnet, wenn sie auf den Waldboden gefallen sind)
  • Alternativ Förmchen, z.B. Muffinformen, Sandförmchen, Eierkarton, kleine Terrakotta-Töpfe
  • Kordel, am Besten kompostierbar. Alternativ alte Schnürsenkel, Drahtreste etc. Auf die gewünschte Länge schneiden, um einen Knoten reinmachen zu können und später an den Baum zu hängen.
  • Schere zum Zuschneiden der Kordel
  • Topf  oder Schüssel
  • Löffel

Los geht’s:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, je nachdem, wie es euch gerade passt.

  1. Talg/Kokosöl schmelzen. Das geht im Topf auf dem Herd, im Backofen, auf der Heizung. In der Zwischenzeit die Kordel an der dicksten Stelle der Zapfen festbinden, so dass die Zapfen später verkehrt herum aufgehängt werden können. Nun für die  Futterzapfen Vogelfutter und Talk/Öl direkt im Topf oder in einer Schüssel mischen und so weit abkühlen lassen, bis es eine knetbare Masse geworden ist. Das kann eine Weile dauern, je nach Temperatur, dann geht es aber plötzlich ganz schnell. Diese dann von oben nach unten in die Zapfen reinstreichen, damit das Futter zwischen den Schuppen hängen bleibt. Austrocknen lassen, fertig.
  2. Die SCHNELLSTE VARIANTE: Talk/ Kokosöl wie bei 1. schmelzen und mit dem Vogelfutter mischen. In der Zwischenzeit die Kordeln  zusammen knoten. Sie sollten so lang sein, dass ihr die Hängerle später gut aufhängen könnt. Nun die Förmchen bereitlegen, bis zur Hälfte mit dem Futtergemisch füllen, eine Kordel in die Mitte legen und vollmachen. Abkühlen lassen, fertig.
  3. Wieder wie oben verfahren. Diesmal jedoch nehmen wir das kleine Terrakottatöpfchen. Hierfür braucht es nun eine möglichst dicke Kordel/ ein Seil. Diese sollte auch deutlich länger sein. Ihr führt beide Enden durch das Abwasserloch am Topfboden, so dass außerhalb des Topfes eine Schlaufe entsteht. Im Topfinneren knotet ihr die Schlaufe so, dass sie die gewünschte Länge hat und die Kordel nicht wieder durch das Loch rutschen kann, denn der Topf wird später verkehrt herum aufgehängt. Die Kordel sollte in die andere Richtung lang genug sein, um auch aus dem Topf herauszuhängen, denn so können sich die Vögel daran festhalten und das Futter picken. Nun den Topf mit der Futtermasse befüllen. Abkühlen lassen, fertig.

TIPP: Es gibt so viele Varianten, verwendet einfach die Materialien, die  ihr zur Verfügung habt. Und macht es mit Kindern am Besten draußen, dann müssen sie nicht so aufpassen, es kann eine ganz schöne Sauerei geben ;)

Sorry übrigens für die unterirdische Fotoqualität. Aber im echten Leben hat man eben manchmal die Hände voller Vogelfutter…