Weniger ist mehr? Tiny Living im mikrohofhaus

mikrohoshaus ludwigsburg

[Werbung] Neulich Nacht fühlte ich mich etwas verloren… Es war die erste Nacht in meinem Bett, nachdem ich 4 Tage und 3 Nächte im mikrohofhaus Ludwigsburg zur Probe wohnte. Möglicherweise liegt es daran, dass mein Schlafzimmer der größte Raum unserer Wohnung ist und etwa viermal so groß wie das mikrohofhaus…

Warum mein Schlafzimmer so absurd riesig ist, kann ich auch nicht wirklich erklären, aber warum ich auf sieben Quadratmetern probegewohnt habe und was das mit mir gemacht hat.

Das mikrohofhaus: Siegerentwurf im Wettbewerb „Raumpioniere – Wohnen auf kleinstem Raum“ der Stadt Ludwigsburg, eine Stadt, die seit Jahren kontinuierlich wächst und sich mit der Problematik der Wohnraumknappheit auseinandersetzen muss. Für das NaturVisionFilmfestival, das seit 2012 in Ludwigsburg stattfindet, soll sich ein Filmbeitrag dokumentarisch mit dem Thema „Neue Wohnformen“ auseinandersetzen und hierfür lebten in den letzten Wochen menschliche Versuchskaninchen nacheinander für mehrere Tage im Häuschen, sozusagen als Performanceinstallation, denn tagsüber kann jeder einfach vorbei und gucken kommen. Das passiert tatsächlich auch ständig, schließlich steht das mikrohofhaus auf der begrünten Mittelinsel einer der größten Ludwigsburger Kreuzungen, der Sternkreuzung. B27 Richtung Stuttgart, mehr muss man vielleicht gar nicht sagen…

Sternkreuzung LuBu

Schon immer (nein, aber bestimmt seit 2 Jahren) träume ich davon, mal in einem Tiny House zu wohnen. Ich finde es total faszinierend und habe schon ein kleines Heft, wo ich verschiedene Tiny House Grundrisse aufzeichne, die wahlweise alleine, zu zweit oder als Familie bewohnbar wären. In meinem Buch hätte ich am Liebsten viel mehr über das Thema geschrieben, aber dann hätte ich mir wohl einen anderen Namen als „Müllkommanix“ einfallen lassen müssen… Jedenfalls konnte ich gar nicht anders als „Ja“ zum Probewohnen sagen, obwohl ich wusste, dass ich es merkwürdig finden würde, quasi ein Ausstellungstück zu sein, denn das mikrohofhaus ist gleichzeitig noch eine Art Außenstelle des Ludwigsburger Museums (das ich übrigens absolut empfehlen kann, sowohl die Ausstellungen als auch, weil jeder den Eintrittspreis gemäß der eigenen Finanzen selbst wählen kann!). Außerdem erinnere ich mich noch gut daran, dass Verkehrslärm, dieses nie enden wollende Schnarren, Röcheln, Rumpeln, ein ganz wesentlicher Punkt war, weshalb wir nicht mehr in Köln wohnen – Ich konnte es nach 8 Jahren an 4- bis 6-spurigen Straßen einfach nicht mehr ertragen. Umso gespannter war ich, wie es mir wohl ergehen würde.

Das Häuslein öffnet sich in seiner Architektur aber nicht zur Straße, sondern zu einem 30 Quadratmeter großen Innenhof, der von einer Wand eingefasst zwar den Verkehrslärm nicht abhält, wohl aber den Anblick der Verursacher. Und ich war erstaunt, was das für einen riesigen Unterschied macht. Ich weiß zwar nicht, wieviel Autoabgase letztendlich im Garten landen, aber ich hatte rein subjektiv nie das Gefühl, ich würde schlechte Luft atmen. So erholsam der Blick in den ruhigen Hof, so tosend waren die Geräusche, was ein interessanter Kontrast war.

Das Haus selbst mit seinen sieben Quadratmetern hat alles, was man braucht (außer einer Badewanne, aber okay, ich gebe zu, „brauchen“ tut man die auch nicht…). Küche mit Waschbecken und zwei Herdplatten, Esstisch mit Hockern, ein Badezimmer mit Dusche und Toilette, ein Sofa, das zum Bett ausgeklappt werden kann und ausreichend Stauraum, zumindest für die paar Tage, die ich dort war. Der Freiraum, in dem man sich bewegen kann, ist ca. 1,20 m breit und erstaunlicherweise fühlte es sich überhaupt nicht beengt an, was sicherlich daran liegt, dass eine Längsseite komplett aus Schiebetüren besteht. Die Dinger sind auch wirklich Gold wert, denn mit der Öffnung zur Südseite musste ich die bei dem gigantischen Vorfrühlingswetter immer aufreißen, wenn ich „zuhause“ war. Das Gute: Die paar Quadratmeter sind im Nu wieder abgekühlt.

Ich war erstaunt, wieviel Platz sieben Quadratmeter bieten, wenn sie sich aufs Wesentliche beschränken. Da ich nicht viel in meiner „Wohnung“ zu tun hatte, war ich unheimlich viel draußen unterwegs. Habe mal in der Stadtbibliothek um die Ecke, mal im Café gearbeitet oder ließ mich einfach treiben. Ludwigsburg hat innerstädtisch eine hohe Aufenthaltsqualität und im Gegensatz zu Wiesbaden auch meistens viel viel Platz für Fußgänger, was mir in Kombination mit dem sensationell blauen Himmel ein richtiges Urlaubsfeeling verpasste.

Fazit: Es war toll, dabei sein zu können, danke dafür an NaturVision! Gerne wieder! Dann darf es weiterhin zentral sein, aber auf der Verkehrsinsel dürfen ruhig wieder Blumen blühen.

Copyright Sebastian Weimann

Der Film „Weniger ist mehr – nachhaltige Bau- und Wohnkultur“ von Sebastian Weimann, für den ich im mikrohofhaus gewohnt habe, wird beim Naturvision-Filmfestival vom 11. – 14. Juli gezeigt und wenn alles klappt, werden wir am Sonntag, den 14.07., auch dabei sein!

Lust auf Tiny Living bekommen? Es muss ja nicht direkt SOOO winzig sein, deshalb habe ich hier einen Querschnitt meiner Favoriten zum Thema aufgelistet:

Living Large in 675 Square Feet, Brooklyn Edition – Tollste Familienwohnung!

Einfach leben – Ein Buch über Minimalismus und Tiny Living, das ich regelmäßig zur Inspiration in die Hand nehme

Less is more – Für alle, die noch Rückendeckung und Inspiration brauchen, sich von unnötigen Dingen zu befreien

Weitere Bücher zur Inspiration: Super Buden, Nano House, Winzig, Small Eco Houses, Raumwunder (liegt gerade neben meinem Bett und ich freue mich jeden Tag auf die abendliche Inspiration), Einfach anders wohnen, Kleine Häuser unter 100 Quadratmeter

Futteralhaus – Ich möchte SOFORT da einziehen!!!

Wohnwagon – Nur die Harten kommen in den Garten, aber wenn schon autark, dann immer schön komfortabel bleiben. Neben dem Fullservice bietet das Unternehmen umfangreiche Planungs- und Realisierungshilfe für die, die auf eigenen Faust bauen wollen. Probewohnen an verschiedenen Orten in Österreich und Deutschland möglich!

Tiny Houses – Webseite vollgepackt mit Infos rund um klitzekleine Häuser

Good Travel – Nachhaltiges Reiseportal, auf dem es einige Tiny House Schätzchen zum Urlaubmachen gibt.

Grundriss vom mikrohofhaus

Naturvision Filmfestival

Presseartikel zum Film „Weniger ist mehr – nachhaltige Bau- und Wohnkultur“

Museum Ludwigsburg

Das ganze Projekt wird übrigens unterstützt von SHIFTPHONES, mit denen wir Tester auch Videotagebuch geführt haben, und gefördert vom Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung. Danke dafür :)

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